Geschichte der Steprather Mühle
Als sich an der Steprather Mühle in Geldern-Walbeck 1995 nach einer gründlichen Renovierung die Flügel wieder drehten und die Mühlsteine in Bewegung setzten, konnte nach rund 40 Jahren Stillstand zur Freude der heimischen Bevölkerung und vieler Besucher wieder Korn zu echtem Vollkornmehl gemahlen werden.
Dank einiger engagierter Mühlenfreunde war damit ein wertvolles Kulturdenkmal gerettet worden, das nicht nur für Walbeck geschichtlich interessant ist, sondern für die ganze Region, ja sogar für Deutschland, denn die Steprather Mühle gehört zum Typ der zylindrischen Turmwindmühlen, die im 15. und 16. Jahrhundert nur im Rheinland und in Westfalen gebaut wurden und als erste mit einer drehbaren Haube versehen waren.

Die Steprather Mühle im Jahre 1938 - zu dieser Zeit musste mit nur 2 Flügeln gemahlen werden.
Da die Steprather Mühle als einzige dieser Windmühlen wieder in Betrieb ist, kann sie sich als älteste voll funktionierende Windmühle Deutschlands präsentieren. Sie wurde vor 1452 von dem Herrn der Freiherrlichkeit Walbeck, Heinrich Schenk von Nydeggen, erbaut.
Eine erste Erwähnung wurde in einer Steuerliste von 1510 gefunden. Im Jahre 1556 wurde sie bereits mit 12 Gulden und 1702 mit 120 Gulden belastet. Sie war damit das bedeutendste gewerbliche Unternehmen in Walbeck.
In Archivalien wurde festgehalten, dass 1647 zwei Amtmänner zu Venlo die “halbe Windmühle” an den ehrenfesten Dietrich von Steprath und Ehefrau Maria van Doornick verkauften. Wie die beiden Amtmänner in den Besitz des halben Anteils an der Windmühle gekommen waren, ist nicht bekannt. Es ist aber sicher, dass nach dem Ankauf die Windmühle in den alleinigen Besitz des Herrn von Steprath überging.
Als erster Mühlenpächter von 1715 bis 1740 wird ein Wilhelm Holterbosch genannt. Als Nachfolger scheint Rud. van der Meulen in Frage zu kommen, denn im Totenbuch der Pfarrei Walbeck wird er als Mühlenpächter genannt. Erst 1783 taucht mit Bartholomäus Hermans ein weiterer Mühlenpächter auf. Als er 1806 starb, übernahm sein Sohn Joh. Arnold bis 1823 den Pachtvertrag. Dieser errichtete 1825 die Kokerwindmühle, die er in den Niederlanden angekauft hatte, am heutigen Kokerweg.
Nach 1823 wurde Franz Timmermann Pächter der Steprather Mühle. Wie lange er Pächter war, ist nicht bekannt. Ab wann Johann Wilhelm Stammen, der 1848 in einer Urkunde erwähnt wird und 1850 starb, die Mühle pachtete, ist nicht bekannt. 1861 ist aber Gerh. Janssen nicht nur Pächter der Mühle, sondern auch des Gasthofes an der Hochstraße, der heute noch “Mühlenhof” heißt.
Als 1872 die Familie Brauwers als Pächter die Windmühle übernahm, bewirtschaftete zunächst Hermann Brauwers mit seinen drei Brüdern die Mühle. Später war er dann bis 1908 der alleinige Müller. Sein Sohn Bartholomäus sollte danach der letzte Pächter der Steprather Mühle werden. Als er 1957 starb, stand die Mühle schon ein paar Jahre still, denn die Großmühlen hatten dem Windmüller keine Existenzmöglichkeit gelassen.
Als die Gemeinde Walbeck 1966 die Windmühle ankaufte, waren zwischenzeitlich schon einige Renovierungen nötig gewesen. Nach der kommunalen Neugliederung 1969 ging die Windmühle in den Besitz der Stadt Geldern über.
Damit dieses imposante Kulturdenkmal den nachfolgenden Generationen erhalten bleibt, gründeten 1990 einige Mühlenliebhaber den “Förderverein Steprather Mühle” und kauften für eine symbolische Mark die Windmühle von der Stadt Geldern. Mit viel Eigenleistung und finanzieller Unterstützung durch die “Nordrhein-Westfalen-Stiftung” und die Stadt Geldern, mit vielen Spenden und mit Unterstützung Walbecker Handwerksbetriebe gelang es 1995, dieses Kultur- und Industriedenkmal Steprather Mühle wieder in Betrieb zu nehmen.